Zeitsprung 2006: Morgen ist gestern
Heute gibt es mal eine alte Kernspalterei zum Thema Star Trek, um genau zu sein, zum neuen Film, der brutalerweise ins nächste Jahr verschoben wurde.
Rund ein Jahr lang hat an der Star-Trek-Front Ruhe geherrscht. Enterprise wurde abgesetzt, keiner schien so richtig zu wissen, wie es weitergehen soll. Doch jetzt kocht die Gerüchteküche wieder, denn pünktlich zum vierzigjährigen Jubiläum der Serie hat Paramount bekannt gegeben, dass es einen neuen Film geben wird. So richtig viel weiß man sonst noch nicht, aber das soll uns nicht daran hindern, wild los zu spekulieren.
Wer ist eigentlich dieser J.J. Abrams?
J.J. Abrams wurde am 17.Juni 1966 in New York geboren und wurde vor allem durch seine Serien Felicity, Alias und Lost bekannt. Im Kino machte er sich einen Namen als Regisseur und Drehbuchautor von Mission Impossible 3 und schrieb unter anderem das Drehbuch zu Armageddon, den ich ja gut fand, obwohl das niemand zu verstehen scheint, zu Regarding Henry, dem sterbenslangweiligen Drama mit Harrison Ford und Forever Young, der mindestens ebenso sterbenslangweiligen Liebesgeschichte mit Mel Gibson. Aber da die letzten beiden Filme mehr als fünfzehn Jahre alt sind, sollte man sie vielleicht nicht überbewerten.
Abrams komponierte außerdem die Titelmusik zu Alias, die leider ab der dritten Staffel das einzig Mitreißende in dieser Serie war. Von ihm stammte ebenfalls ein früher Drehbuchentwurf für den neuen Superman-Film, der dann allerdings nicht verwendet wurde. Für Star Trek XI wird er im Moment als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent gehandelt, aber da der Film frühestens 2007 in die Kinos kommen soll, kann sich da noch einiges ändern.
Was mit den Star-Trek-Filmen in amerikanischen Kinos verdient wurde:
Star Trek I: $ 82,000,000.jpg)
Star Trek II: $ 78,000,000
Star Trek III: $ 76,000,000
Star Trek IV: $ 109,000,000
Star Trek V: $ 52,000,000
Star Trek VI: $ 74,000,000
Star Trek VII: $ 75,000,000
Star Trek VIII: $ 92,000,000
Star Trek IX: $ 70,000,000
Star Trek X: $ 43,000,000
Ups.
Um den Spannungsaufbau etwas dramatischer zu gestalten, wollen wir erst mal einen Blick in die Vergangenheit werfen, und zwar in die Zeit, als Star Trek noch richtig gut war und Paramount damit noch wirklich viel Geld verdienen konnte. TNG war ein Riesenerfolg, Deep Space Nine lief zwar kommerziell nicht ganz so erfolgreich, etablierte sich aber als die anspruchsvollste und gleichzeitig dunkelste Serie der Reihe. Die Föderation war längst nicht mehr so nett, die gegnerischen Aliens längst nicht mehr so böse, alle, ob Freund oder Feind, handelten aus klar nachvollziehbaren Gründen, und gelegentlich mussten auch mal unangenehme Entscheidungen gefällt werden.
Dann kam Voyager und all das war vergessen. Man versuchte die Rückbesinnung auf TNG, auf ein Raumschiff voll mit echt netten Leuten, die irgendwo rumfliegen und Abenteuer erleben. Der einzige Unterschied zu TNG bestand darin, dass die Mannschaft der Voyager im Delta-Quadranten gestrandet war und gerne wieder nach Hause wollte. Ging aber erst nach sieben Jahren, weil die Serie so lange nun mal laufen musste.
Während Voyager begann der Niedergang von Star Trek. Die Einschaltquoten gingen zurück, die Kinofilme um die TNG-Crew kamen an die Erfolge ihrer Vorgänger nicht heran, die nach James Bond am längsten existierende Film- und TV-Reihe Hollywoods steuerte mit Warp 9.9 auf eine Krise zu. Also setzte man sich bei Paramount zusammen und suchte nach Auswegen. Das Ergebnis dieses Brainstormings hieß Enterprise.
Für den Fall, dass es jemand vergessen oder verdrängt haben soll
te: in Enterprise ging es um ein Raumschiff voll mit echt netten Leuten, die irgendwo rumfliegen und Abenteuer erleben. Der einzige Unterschied zu TNG/Voyager bestand darin, dass die Mannschaft in der Vergangenheit lebte, circa achtzig Jahre vor Kirks Zeit.
Einen Innovationspreis konnte man damit nicht gewinnen. Das Publikum und nicht unerhebliche Teile des Fandoms sahen das ähnlich. Die Einschaltquoten näherten sich dem Nullpunkt, die DVDs wollte auch niemand wirklich kaufen, Star Trek: Nemesis hatte weltweit ungefähr so viele Besucher wie eine durchschnittliche Pommesbude morgens um 10. Paramount reagierte und zog die Notbremse. Die Serie wurde abgesetzt, die Produktion neuer Filme gestoppt. Danach herrschte erst einmal Stille.
Neuer Film, neues Glück?
Viele rechneten damit, dass Paramount zum vierzigjährigen Star-Trek-Jubiläum im September eine Ankündigung über die Zukunft der Serie machen würde, aber die Gerüchteküche im eigenen Haus kam ihnen zuvor. Bereits im März überraschten mehrere Star-Trek-Foren mit der Nachricht, J.J. Abrams würde die Regie bei einem neuen Star-Trek-Film übernehmen, die Story schreiben und den Film auch noch produzieren. Nur wenige Tage später wurde dieses Gerücht von dem amerikanischen Branchenblatt Variety bestätigt.
Richard Arnold, der Star-Trek-Experte und ehemalige Mitarbeiter von Gene Roddenberry, sagte dazu, seines Wissens nach habe Paramount Abrams vier Projekte angeboten, bei denen er Regie führen könne. Abrams habe sich für Star Trek entschieden, was Paramount gar nicht mal so recht gewesen wäre. Warum konnte (oder wollte?) er nicht sagen, aber die Reaktionen auf Abrams' frühes Superman-Script könnten der Grund dafür sein.
Das Drehbuch war durch einen merkwürdigen Zufall den Betreibern einiger Superman-Fanseiten in die Hände gefallen und hatte Proteststürme ausgelöst, die schließlich auch die Produzenten des Films nicht mehr ignorieren konnten. Abrams' Version wurde gekippt, ein neuer Autor kam an Bord.
Die ersten Gerüchte zur möglichen Handlung des neuen Star-Trek-Films ließen auch in diesem Fandom nicht gerade Freude aufkommen. Angeblich solle nun doch ein Starfleet-Academy-Film kommen, das erste Treffen zwischen Kirk und Spock würde gezeigt
werden. In einem hastig herausgegebenen Interview mit der englischen Filmzeitschrift Empire dementierte Abrams diese Gerüchte und sagte, er habe nicht vor, einen Film über Kirk und Spock an der Akademie zu drehen. Allerdings schloss er nicht aus, dass man vertraute Figuren wiedertreffen würde. Schließlich, so sagte er, sei er ein großer Fan der Originalserie.
Hmm, was will er uns wohl damit sagen?
Wie USS Phoenix NCC-65420 aus der Asche?
Das Fandom steht der Idee eines neuen Prequels sehr skeptisch gegenüber, was vielleicht unfair ist. Enterprise hat zwar nicht funktioniert, aber das bedeutet nicht automatisch, dass kein Prequel funktioniert. Schließlich hört man ja auch nicht auf, rohen Tintenfisch zu essen, nur weil einem einmal davon übel wurde. Okay, das trifft vielleicht nur auf mich zu, aber ihr versteht schon, was ich meine.
Und was wären die Alternativen zu einem Prequel? Ein Film, der im 24. Jahrhundert zur gleichen Zeit wie die TNG-Filme, Voyager oder Deep Space Nine spielt, würde in ein Labyrinth aus Chronologien und Abhängigkeiten geraten, die nicht aufzulösen wären. Wenn man tatsächlich einen Neuanfang will, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als entweder in die Vergangenheit oder in die weit entfernte Zukunft zu gehen. Nur dort wird das Team um J.J. Abrams die Chance haben, Star Trek neu zu erfinden und sich zu eigen zu machen. Und genau das muss geschehen, sonst führt jeder Neustart zu den gleichen alten Fehlern.
Abrams könnte trotz seines Superman-Debakels der Richtige für diese Aufgabe sein. Er hat mit Lost bewiesen, dass er mit einem Schauspieler-Ensemble umgehen kann und mit MI:3, dass er weiß, wie man Action inszeniert. Allerdings hat sein Weggang von Alias und seine vorübergehende Auszeit bei Lost auch gezeigt, dass er bereit ist, ein Projekt zu verlassen, wenn ein anderes, interessanteres auf ihn wartet.
Der Zorn des Fans
Die Paramount-Studiobosse zeigen durch die Zusammenarbeit mit Abrams, dass sie das Problem der Serie verstanden haben und bereit sind, neue Wege zu gehen. Sollte Abrams das Projekt durchziehen, wird ein Star-Trek-Film dabei herauskommen, der sich erheblich von den bisherigen unterscheiden wird. Vielleicht wird er an der Akademie spielen, vielleicht auf einem Schiff, vielleicht in der Vergangenheit, vielleicht in der Zukunft. Vielleicht wird man im Anschluss daran eine Fernsehserie drehen, vielleicht auch nicht. All das ist unklar, klar ist aber bereits jetzt, dass der Film das Fandom spalten wird. Es wird Protestschreie geben, Online-Petitionen, möglicherweise sogar Boykottaufrufe und ähnliches. Es wird sich zeigen, ob sie berechtigt sind, aber selbst wenn Star Trek XI alle Befürchtungen bestätigen sollte, hätte Paramount richtig gehandelt, denn die Diskussionen in den Foren beweisen, dass es noch Leidenschaft im Fandom gibt. Die Fans wollen, dass Star Trek wieder zu neuen Welten aufbricht, nicht vor sich hindümpelt wie ein Plastikboot auf einem Tümpel. Diese Chance bietet nur ein Neustart. Selbst wenn Abrams' Film das Fandom spaltet, ist es immer noch besser mit dem Zorn einiger zu leben als mit der Apathie aller.
Das werde ich zumindest behaupten, bis ich den Film gesehen habe...
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Ok ...
... die Kernspalterei ist zwar schon ein bisschen älter und nicht mehr ganz aktuell, aber zu Star Trek muss ich natürlich trotzdem meinen Senf abgeben.
Ich ignoriere soweit es mir möglich ist, alles was im Netz über den neuen Film zu finden ist. Ich möchte nächstes Jahr absolut spoilerfrei, unbedarft und neutral ins Kino gehen. Die Handlung geht mich erst etwas an, wenn ich im Kinosessel sitze, eine Tüte Popcorn in der Hand, und der Film beginnt.
Die vorgefassten Vorab-Meinungen anderer Fans interessieren mich schon gar nicht und ich lese sie auch nicht. Ich bilde mir meine eigene Meinung - und zwar genau dann, wenn im Kino der Abspann läuft. Diese Meinung werde ich dann natürlich auch ins Netz stellen und jedem erzählen, der sie hören will.
Soviel zum Film.
-> Während Voyager begann der Niedergang von Star Trek.
Das mag schon sein, aber gerade Voyager hat viele neue Fans gebracht. Leider sind die aber mit dem Ende der Serie zum Großteil wieder in der Versenkung verschwunden und gehen mittlerweile längst anderen oder ihren alten Interessen nach.
Mich persönlich hat ja Voyager wieder zu Star Trek zurück gebracht.
-> in Enterprise ging es um ein Raumschiff voll mit echt netten Leuten ...
Naja, wenn man von Scott Bakula mal absieht. Sorry, aber ich kann mit diesem Menschen einfach nichts anfangen und er war auch ein Grund mit, warum ich ENT nur zwei Staffeln angeschaut habe. War das ein Fehler? Keine Ahnung.
Ich freue mich auf jeden Fall auf den neuen Film und habe auch schon ein Opfer gefunden, das mit mir ins Kino geht. *g*
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Lesen gefährdet die Dummheit
Re: Ok ...
Ich kann leider an keinem Spoiler vorbeigehen, ist echt schlimm. Normalerweise meide ich sowas auch wie die Pest, aber ich bin derartig neugierig darauf, was Abrams aus dem Film machen wird, dass meine Selbstdisziplin am Boden liegt. :)
Zu Voyager: wow, du bist die Erste, von der ich höre, dass sie mit der Serie zu ST zurück gekommen ist. Normalerweise hat die Serie ja eher Fans verscheucht, als neue gebracht. Da muss ich dir nämlich widersprechen: es kamen keine neuen Fans zu ST, höchstens neue Zuschauer, die die alten, die nach ein oder zwei Staffeln absprangen, ersetzten. Und diese Zuschauer verschwanden recht schnell wieder, weil Voyager und damit Star Trek ihnen nichts mehr zu bieten hatte. Voyager war die erste ST-Serie, die ich nicht bis zu Ende gesehen habe. Enterprise die zweite - und hoffentlich letzte.
Zu Enterprise: Nichts gegen Scott Bakula, den ich eigentlich mag, aber die Archer-Figur war leider ziemlich für die Tonne - so wie der Rest der Serie auch. Also nee, verpasst hast du definitiv nichts - außer du hältst Langeweile für ein ziemlich tolles Gefühl. :)
Re: Ok ...
Also ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich einen Film am besten genießen kann, wenn ich gar nichts über den Inhalt weiß. Mit Büchern geht es mir genauso.
Es ist einfach besser, wenn man die ganzen Trailer, die dann im Netz kursieren werden, ignoriert und auch die ganzen Plots nicht liest. Dann weiß ich einfach zuviel und der Spaß geht verloren.
Zu Voyager nochmal:
Also ich war ja sehr viel im Voyager-Fandom unterwegs, habe zig FanFictions geschrieben und hatte viele Kontakte. Da gab es eine Menge Leute, die nur durch Voyager zu Star Trek gekommen sind, große Fans waren und auch sehr aktiv waren, auf Cons gegangen sind usw. Leider sind die meisten von ihnen nach dem Ende von Voyager in der Versenkung verschwunden. Viele Kontakte gibt es überhaupt nicht mehr und auf Cons gehen die Leute auch nicht mehr.
Allerdings gibt es auch andere Fans, die ich nicht als Star Trek Fans bezeichne: Das sind die Mulgrew und Beltran Fans, die immer noch präsent sind. Die haben Voyager aber nur wegen ihren Lieblingen angeschaut.
Und nein, Langeweile halte ich für kein tolles Gefühl. ;-) Genau darum habe ich bei ENT ja nach der zweiten Staffel aufgegeben, oder sagen wir mal so: Ich hatte immer was Besseres zu tun, als die Serie anzuschauen.
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Lesen gefährdet die Dummheit
Re: Ok...
Was Besseres zu tun als Enterprise zu sehen, ist auch echt nicht schwer. Da fallen einem schon ein paar Dinge ein: Auto durch die Waschstraße fahren, spülen, Blumen umtopfen, etc :)Auch noch mal kurz zu Voyager: ich hatte den Eindruck, dass die Serie anfangs sehr enthusiastisch aufgenommen wurde, aber durch eigene Schuld sehr schnell den Schwung verlor. Alles, was wir in Voyager gesehen haben, gab es in TNG auch schon, nur besser. Die Charaktere mussten sich ständig den Plots unterordnen, niemand war vernünftig definiert, und Janeway traf Entscheidungen, die bei jedem anderen Captain (sogar bei Kirk, was schon was heißt) zu einer Meuterei geführt hätten. Für mich ist Voyager die Serie der vertanen Chancen. Sehr schade.
Re: Ok ...
->Für mich ist Voyager die Serie der vertanen Chancen.
Das auf jeden Fall. Es hätte unendliche Möglichkeiten gegeben, aber gut, lassen wir das ...
Ich habe mir gestern, angestachtelt durch unsere nette Unterhaltung hier, mal nach langer Zeit wieder ein paar Voyager-Folgen (auf Englisch) angesehen. "Timeless", "Relativity" und "Shattered", das waren gute Folgen, obwohl man bei "Shattered" an allen Ecken und Enden gemerkt hat, dass Beltran trotz der guten Story keine Lust mehr hatte. Eigentlich kein Wunder, trotzdem schade.
Ich kenne sehr viele Fans, die bis zum bitteren Ende durchgehalten habe, aber niemand streitet ab, dass die Serie ab der 3. Staffel unaufhaltsam in Punkto Qualität böse nach unten ging - auch wenn es doch noch so einige gute Episoden gab.
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Lesen gefährdet die Dummheit
Re: Ok ...
Ja, ich denke, wir können uns darauf einigen, dass die Serie viel besser hätte werden können, als sie dann wurde. Beltran war, wie er ja auch vor ein paar Jahren auf der Fedcon sagte, nachher nur noch frustriert. Bei den Autoren scheint ja auch Frustration geherrscht zu haben. Es gab schon ein paar gute Folgen, aber ihr Potential hat Voyager nie erreicht. Und das bei den Möglichkeiten. Wahrscheinlich ärgert mich die Serie deshalb so. Sie hatte alle Chancen der Welt, alle Zeit der Welt und kam doch nie über Mittelmaß hinaus.