Rovdyr
Nein, ich habe bei der Titelwahl nicht einfach mal mit der flachen
Hand auf die Tastatur geschlagen. Rovdyr ist tatsächlich ein Wort. Genau gesagt ist es norwegisch und heißt "Raubtier". Noch genauer gesagt ist Rovdyr der Titel eines norwegischen Thrillers, der unter dem etwas schwerfälligen, aber faktisch korrekten Titel Manhunt - Backwoods Massacre wahrscheinlich ab November auch in deutschen Videotheken zu finden sein wird. Noch ist jedoch nicht raus, ob deutsche Zuschauer in den Genuss einer ungeschnittenen Fassung kommen werden. Dabei ist Rovdry gar nicht so schlimm - wenn man sich in Metzgereien zuhause fühlt.
Ganz ehrlich, mit norwegischen Filmen habe ich bisher nicht gerade gute Erfahrungen gemacht. Vor ein paar Jahren lief auf dem Fantasy Filmfest mal ein norwegischer Serienkillerfilm, der so unaussprechlich langweilig war, dass ich die ganze Zeit über Flashbacks zu alten Mathestunden hatte. Ja, so
langweilig. Rovdyr schafft es allerdings schon mit dem ersten Mord im Prolog, die Ehre des Landes wiederherzustellen, und danach wird der Film stetig besser.
Es geht um das, worum es in Backwoods-Slashern eigentlich immer geht: zwei Mädels und zwei Jungs aus der Stadt wollen ein Wochenende lang durch den Wald wandern. Nichts Böses ahnend (ok, als Zuschauer ahnt man natürlich schon Böses, deshalb guckt man den Film ja) nehmen sie eine Anhalterin mit und werden schon bald durch die tiefen Wälder Norwegens gejagt.
Das ist alles nicht neu, aber Rovdyr hebt sich aus der Menge der Backwoods-Slasher vor allem aus zwei
Gründen ab: zum einen spielt er im Heimatjahrzehnt des Genres, in den 70ern, womit so lästige Fragen wie "Warum rufen die nicht einfach vom Handy die Bullen an?" einfach unter den Tisch fallen, zum anderen ist er echt gut inszeniert. Hart, schnell, kaum peinliche Dialoge und blasse, reduzierte Farben. Der Wald wird zum Protagonisten, und das ist kein mystischer Wald wie in Pans Labyrinth, sondern ein trostloser, kalter Ort, ein bisschen wie in Blair Witch Project. Klar fragt man sich als Zuschauer ab und zu schon, warum scheinbar geistig gesunde Menschen in einem solchen Wald wandern gehen wollen, aber hey, ich kenne keine Norweger, vielleicht finden die das cool. Außerdem denkt man ohnehin nicht allzu lange darüber nach, denn man wird fast sofort von Fragen wie "krass, haben die dem gerade die Zunge rausgeschnitten?" abgelenkt.
Und genau so sollte es in einem Backwoods-Slasher auch sein.
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Lecker!
Das klingt doch mal alles sehr fein! :-)
Aus dem selben Genre empfehle ich übrigens - weil jüngst konsumiert - die französische Terror-Perle "Frontier(s)" von 2007, die nun auch bei uns auf DVD erhältlich sein dürfte. Es geht um halb-inzestuöse Nazi-Kannibalen... Und das ist kein Scherz!
Gruss, Andro
Halb-inzestuöse Nazis
Da kann man doch schon mal nichts falsch machen. Mir hat der auch echt Spaß gemacht, nur muss leider mal wieder vor der deutschen Fassung gewarnt werden, die übel geschnitten ist.
Ungekürztes Raubtier
Ich habe es jetzt auch geschafft den Film zu sehen - in der ungekürzten Fassung aus den Niederlanden. "Dead Snow" fand ich witziger, aber ich glaube, ich habe in letzter Zeit einfach zuviel krasse Filme gesehen ("Deadgirl", "Babysitter Wanted", wobei vor allem der erstere unfassbar krank, aber durch seinen "Coming of age"-Ansatz irgendwie auch cool ist), sodass ich "Rovdyr" eher harmlos finde. :-)