Gurkenalarm
Ich hatte mich schon gefragt, wann mich die Gurke des Fantasy Filmfests treffen würde. Cabin Fever 2 war nicht toll, okay, aber er brachte wenigstens nicht meine Augen zum Bluten - nur die der Protagonisten. Bei Mutants, einem französischen Endzeit-Virus-Streifen war das leider anders. Zuerst der Traier, dann folgt meine spoilerlastige Heulerei über neunzig Minuten verschenkter Lebenszeit.
Wenn man den Trailer sieht, könnte man auf die Idee kommen, Mutants wäre wie Haute Tension oder einer der zahlreichen anderen französischen Horrorfilme, die man in letzter Zeit sehen konnte: krasse Gewalt, wenig Story. Mutants erfüllt beides, fügt aber noch eine dritte, neue Kategorie hinzu: gähnende, nicht enden wollende, das Gehirn wie einen Virus zerfressende Langeweile.
Fangen wir bei der "Handlung" an. Es geht um Sonia und Marco, ein Paar, das zusammen mit einer namenlosen Soldatin in einem Krankenwagen auf der Suche nach der NOAH-Basis ist. Dort leben angeblich die letzten gesunden Menschen. Der Rest Frankreichs (oder der Welt) wird von Zombies bevölkert, die herumrennen und Menschen umlegen. Nach ungefähr zwei Minuten hofft man, die nervige Soldatin möge bald das Zeitliche segnen, ein Wunsch, den der Film nach weiteren zehn Minuten erfüllt. Sonia flieht daraufhin mit ihrem verletzten und infizierten Freund in ein riesen Gebäude, laut Pressemitteilung angeblich ein Krankenhaus, was aber nie richtig klar wird. Marco degeneriert, kotzt seine Organe aus (übrigens neben abfallenden Fingernägeln ein Leitmotiv des Festivals), wird gewalttätig, während Sonia verzweifelt versucht, ihn zu retten. Sie selbst ist immun. Das erwähnt der Film ebenso unmotiviert wie ihre Schwangerschaft, die erst enthüllt wird, als sie in die Handlung passt. Schließlich gibt Sonia Marco sogar eine Bluttransfusion, aber es hilft nichts. Er wird zum Zombie. Sonia tut, was jede liebende Freundin tun würde: sie sperrt ihn in einen dunklen, halb unter Wasser stehenden Verschlag. Keine Ahnung, was gegen eines der ungefähr fünfhundert Zimmer spricht, aber Sonia wird es schon wissen.
Irgendwann tauchen, angelockt durch Sonias Funksprüche, andere Überlebende auf. Die sind ziemlich scheiße, verlangen von ihr den Schlüssel zum Krankenwagen, schlagen sie und wirken auch sonst wie die letzten Menschen, denen man in einem Endzeitfilm begegnen möchte. Knarren haben sie zwar, aber auf so Ideen wie "Schließen wir doch mal die Tür, damit die Zombies draußen bleiben", kommen sie nicht. Einige absehbare Wendungen später merken das auch die Zombies, und es kommt zum Showdown. Bei dem reaktiviert der Film Marco, der wohl durch Sonias Blut eine telephatische Verbindung zu ihr bekommen hat, denn er spürt ihre Angst und befreit sich.
Telepathie durch eine Bluttransfusion.
Nein, das ist kein Witz.
Der Showdown ist voller ähnlicher Perlen. Da werden Rauchgranaten geworfen, obwohl man selbst im gleichen Raum steht, einer tritt mit einer Machete gegen hochansteckende Zombies an, und niemand, wirklich niemand, kommt mal auf die Idee, den Krankenwagen einfach kurz zu schließen. So klappt das nie mit dem Überleben der Menschheit.
Das alles klingt nach nettem Trash, aber Mutants hat die Optik eines Duisburg-Tatorts und nimmt sich selbst völlig ernst. Marcos Verfall wird zu einem Kammerspiel, bei dem jedes Ereignis aus mindestens fünf Einstellungen gefilmt wird.
Marco steht auf. Schnitt. Er steht von links auf. Schnitt. Er steht von rechts auf. Schnitt. Er steht von links unten mit leichter Schräge auf. Schnitt. Aber jetzt... nein, er steht immer noch auf.
Regisseur David Morlet (ein Name, den ich mir merken werde, um ihm demnächst aus dem Weg zu gehen) begleitet dieses Einstellungs-Ping-Pong mit dem großzügigen Einsatz einer Wackelkamera, was die Illusion von Action erzeugen soll. Klappt übrigens nicht, denn ein Mann, der zehn Sekunden lang aufsteht, ist nicht spannend, egal, wie sehr man ihn verwackelt.
Wenn ihr die Chance haben solltet, Mutants zu sehen, lasst es einfach. Lest 85 Minuten lang ein Buch, topft Blumen um oder kratzt Käsereste von alten Pizzakartons. Euch wird bestimmt etwas Interessanteres als Mutants einfallen.
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Telepathie durch Bluttransfusion
Warum nimmst du das den Filmemachern übel? Wenn sogar George Lucas sowas macht (Jeditum durch Parasitenbefall), dann dürfen das auch die Franzosen. ;)
Mit der Wackelkamera hast du Recht - in 99 von 100 Anwendungen nervt sie mich ungemein, außer dann, wenn sie wirklich so gut gemacht ist, daß man den Eindruck hat selbst die Kamera zu halten und damit mitten ins Geschehen versetzt wird.
Ein ganz besonderes Lieblingsbeispiel dafür ist für mich übrigens die Wackelkamera in den neuen Galactica Spacefights... Die erweckt in mir nur den Eindruck, daß man irgendwas (mangelnde Qualität?) vor mir verbergen möchte und läßt mich wünschen, die gerenderten Sequenzen hätten einen *echten* Kameramann, den könnte ich dann hauen.
George Lucas
Jeditum durch Parasitenbefall? Davon ist in seinen drei Star-Wars-Filmen nicht die Rede. Mehr hat er ja nicht gemacht, nicht wahr? Böse Zungen behaupten zwar, es gäbe drei weitere Filme, aber nee, kann nicht sein.
Klugscheißermodus an!
Nicht nur, dass ich durch Zufall die anderen drei Star-Wars-Filme entdeckt habe (und sooooo schlecht gar nicht finde), ich kann sogar einen Irrtum zurecht rücken: Die MACHT resultiert nicht aus dem Befall mit Midi-Chlorianer (hier "Parasiten" genannt), sondern es handelt sich bei diesen Lebensformen um eine Spezies, die sich vor allem bei jenen ansiedelt, in denen die MACHT stark ist. Den Nachweis, ob man als Jedi geeignet ist, gewinnt man also über die Anzahl der Midi-Chlorianer im Blut (ähnlich wie man über den Metzelfaktor in einem MADDRAX-Roman feststellen kann, ob er von Claudia Kern geschrieben wurde). Mit dem Energiefeld der MACHT haben sie ansonsten nichts zu tun.
Dabbelyuhteheff
"Soo schlecht garnicht"?!? Aber... Jarjar!
JARJAR!
AAAAAAARRRRGH!
Midi-Chlorianer: Gibt es auch General Midi Chlorianer?
Und: Moment, die Midi-Chlorianer machen nicht die Macht, sondern die Macht macht, daß man Midi-Chlorianer bekommt? Da haben die Jedis ja nochmal richtig Glück gehabt, daß es Midi-Chlorianer sind und nicht etwa Karies oder Bandwürmer!
PS: Mal ehrlich, die Jedi haben's *verdient* vernichtet zu werden. Nehmen Eltern ihre Kinder weg, legen offenbar keinen weiteren Wert darauf, den Kontakt zu den Eltern aufrecht zu erhalten und bilden die Kinder schon im Toddler-Alter mit TÖDLICHEN WAFFEN aus... Und sie sind dumm wie SCHEISSE! Ich meine - sie haben in Anakin den wohl stärksten jedi aller Zeiten, wissen alle, daß er echt Probleme damit hat, daß er seine Mutti in Sklaverei zurückgelassen hat und keiner kommt auf die Idee Mommy mal kurz aus der Jedi-Portokasse freizukaufen... *stöhn*
Eigentlich seltsam, daß durchdrehende amoklaufende Jedis nicht an der Tagesordnung sind...
Prequels
Man soll es ja nicht glauben, aber es gibt da tatsächlich eine Option die Star Wars prequels nicht nur ohne Nasenbluten zu gucken, nein, es macht sogar richtig Spaß - sogar zu meinen Lieblingsfilmen (wie in: "Guck ich immer wieder!") sind sie geworden.
Schuld daran sind Mike, Kevin und Bill:
http://www.youtube.com/watch?v=83obHT73hLo
http://www.youtube.com/watch?v=r2gLB1xTR64
http://www.youtube.com/watch?v=sMVLbkN3vKI
Aber damit nich genug:
http://www.youtube.com/watch?v=xEXxfhGybYw
http://www.youtube.com/watch?v=GITPBvAnKmg
http://www.youtube.com/watch?v=37X1QJa79gI
:D
*ROFL*
Vielen Dank fuer die Zusammenfassung. So hat der Film doch noch was gutes hervorgebracht. :D
Ä Hämpten Datten, Marotten Kapotten Satten
I live to serve
:)